über Roadkill

In diesem Projekt wird es Ihnen  ermöglicht an einem wissenschaftlichen Projekt zum Thema “Roadkill” aktiv mitzuarbeiten. Es wird erhoben, welche Tiere auf Straßen zu Tode kommen und welche Gründe es dafür geben könnte. Mit Ihren Daten werden Hotspots identifiziert und es wird versucht diese Hotspots zu entschärfen.

Das Team des Projekt Roadkill arbeitet seit September 2018 gemeinsam mit der TU Graz, BirdLife Österreich, dem Naturhistorischen Museum Wien und der Firma pentamap mapping services an einem Projekt mit der Kurzbezeichnung "AnimalProtect", welches durch die FFG im Rahmen des Austrian Space Application Programms gefördert wurde.

Zusammenfassung des Projektvorhabens:

Verkehrsunfälle mit Wildtieren stellen sowohl durch das steigende Verkehrsaufkommen als auch durch veränderte Lebensräume für die Tiere in Europa ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Allein im Oktober und November 2017 kam es zu mehreren teils folgenschweren Unfällen mit Wildtieren in Österreich, die auch Menschenleben forderten. Allein bei jagdbarem Wild wurden in Österreich in der Saison 2015/16 mehr als 77.000 überfahrene Tiere gezählt. Dabei wurden 304 Personen verletzt, 1 davon verstarb an den Folgen des Unfalls. In den USA kommt es jährlich zu bis zu 1.6 Millionen Unfällen mit jagdbarem Wild mit bis zu 200 Toten und mehreren Tausend Verletzten. Der dadurch entstandene Gesamtschaden wird mit 4,6 Milliarden US$ beziffert. AnimalProtect hat aber nicht nur folgenschwere Unfälle für Menschen zum Ziel, sondern behandelt auch die ökologischen Auswirkungen, die durch das Überfahren von Vögeln oder Amphibien entsteht.

Bisher gibt es europaweit nur wenige systematische Untersuchungen zu den Ursachen von Wildunfällen bzw. möglichen Einflussfaktoren, die zu einem vermehrten Auftreten von Unfällen mit überfahrenen Tieren führen. Diese Lücke soll im Projekt AnimalProtect geschlossen werden. Ziel ist die flächendeckende Ableitung von Gefährdungszonen in der Umgebung von Straßen, um Wildunfälle und damit einhergehende Schäden für Menschen und Tiere mit der Hilfe von Fernerkundungsdaten, Geodaten, Expertenwissen und Ergebnissen aus vorherigen Untersuchungen zu vermeiden. Dafür müssen mögliche Einflussfaktoren (Landbedeckung, Gelände, jahreszeitliche Einflüsse, Umweltfaktoren, sozial-ökologische Faktoren, etc.) auf das Verhalten von verschiedenen Wildtierarten definiert werden, um diese anschließend auf potentielle Datenbestände (Copernicus Programm, Open Street Map etc.) zu übertragen. Aus dieser wissensbasierten Vorgangsweise sollen schließlich Gefährdungsbereiche für Autofahrerinnen und Autorfahrer bzw. verschiedene Tierarten abgeleitet werden. Die Validierung der detektierten Wirkungsbereiche soll mit vorliegenden Unfalldaten erfolgen. Dafür müssen Schnittstellen zu bestehenden Datenbeständen von Wildunfällen geschaffen und die Daten homogenisiert werden.

Die aus der Fernerkundung und Geoinformation abgeleiteten Gefährdungszonen sollen in Form eines cloud-basierten Services angeboten werden, welches das Unfallrisiko in einem bestimmten Straßenabschnitt, z.B. von 1 (= wenig Unfallgefahr) bis 5 (= große Unfallgefahr), liefert. Verschiedene Anwenderinnen und Anwender (Autofahrerinnen und Autofahrer, Versicherungen, Navigationsdienste, öffentliche Stellen etc.) sollen daraus entsprechende Schlüsse ziehen können (z.B. bereits bei der Planung einer Straße). Die Anwendung des Services soll im Rahmen des Projekts auch in einem Prototypen gezeigt werden, der je nach Position der Nutzerin bzw. des Nutzers die entsprechende Gefährdung anzeigt, sowie die Routenführung durch Gebiete mit möglichst niedriger Unfallgefahr ermöglicht.

Hier möchten wir Ihnen kurz vorstellen, mit welchen Institutionen wir im projekt Roadkill zusammenarbeiten. Die Zusammenarbeit kann unterschiedlich gestaltet sein. So hilft uns die eine Institution zum Beispiel bei der Identifizierung der gemeldeten Tierarten und eine andere bei der Umsetzung unserer Erkenntnisse in die Naturschutzpraxis.

Projektpartner

logo nhm OEGH Logo

Arge NATURSCHUTZ

Logo NaturschutzbundNO

Plattformpartner

 

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Die Teilnahme im Projekt Roadkill ist so gestaltet, dass sowohl der Einstieg ins Projekt, wie auch die Teilnahme so einfach wie möglich sind. So braucht man bei der Registrierung nur einen Benutzernamen und ein Passwort und die Dateneingabe kann per Apps für iOS und Android Smartphones erfolgen, oder ganz einfach über den Internetbrowser.

Wie kann man genau teilnehmen?

Das Projekt Roadkill ist als Android App für Ihr Smartphone im Google Play Store als kostenloser Download verfügbar:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.spotteron.roadkill

Auch für Iphones ist eine eigene App im iTunes Store kostenlos verfügbar:
https://itunes.apple.com/at/app/roadkill-spotteron/id1007563102?mt=8

Sie können aber auch unsere Online-Eingabemaske verwenden.

Bevor Sie mittels App aktiv teilnehmen können, müssen Sie sich registrieren oder einloggen. Sind Sie auf einer Straße unterwegs und beobachten ein totes Tier welches von einem Fahrzeug erfasst wurde, melden Sie dies einfach über unsere App für Android oder iOS oder über das Online-Formular in der Dateneingabe. Sie können dies an Ort und Stelle tun, oder Sie notieren sich die Stelle und geben die Daten zuhause an einem Computer mit Internetverbindung ein.

Achten Sie jedoch stets auf Ihre eigene Sicherheit! Tragen Sie keine Spots ein während Sie selbst am Steuer sitzen; machen Sie kein Foto auf unübersichtlichen Straßenabschnitten; achten Sie stets auf den Straßenverkehr und riskieren Sie nichts um einen neuen Spot einzutragen! Ihre Sicherheit steht immer an erster Stelle!

Download der App-Anleitung:

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Falls noch Fragen zum genauen Vorgang der Dateneingabe auftauchen sollten, schreiben uns bitte ein Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Wie kann ich Roadkills vermeiden?

Schon jetzt können Sie einiges tun um Roadkills zu vermeiden. So ist es zum Beispiel ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Amphibien überleben, wenn man sie mit dem Auto “zwischen die Reifen” nimmt. Bei über 30 km/h kann dies bereits zum Tod der Amphibien führen, da durch den Unterdruck unter dem Auto ihre Lungen platzen können. Genaueres findet ihr hier: http://www.herpetofauna.net/interessantes/amphibientod_schnelles_fahren.html

Wenn Sie sich stärker für den Schutz von Fröschen, Kröten, Molchen etc. an der Straße einsetzen möchten, finden Sie sicher einen Verein in Ihrer Nähe der Amphibienschutzzäune entlang von Straßen betreut und sich über Ihre Hilfe freut. Eine sehr gute Plattform zur Vereinssuche oder die Bestimmung von Amphibien und Reptilien ist auch das Forum auf www.herpetofauna.at

Die meisten Wildunfälle passieren in der Dämmerung, fahren Sie dann besonders vorsichtig und achten Sie vermehrt auch auf die Fahrbahnränder. Die Schilder “Achtung Wildwechsel” zeigen besonders gefährdete Stellen und sollten ernst genommen werden, auch wenn Sie selbst dort noch nie ein Wild gesehen haben.

Unser klares Ziel ist die Anzahl an Roadkills soweit wie möglich zu reduzieren, indem wir den Ursachen der Roadkills auf den Grund gehen.

Der erste Schritt dazu ist einen Überblick über Anzahl, Umfang und Verbreitung von Roadkills zu bekommen. Durch das Zusammentragen von vielen einzelnen Daten zu einem großen Datensatz ist es möglich genau festzustellen, zu welchen Bedingungen (Wetter, Uhrzeit, …), an welchen Standorten (Wald, Wiese, Ortsgebiet, …), auf welchen Straßen, welche Tiere Opfer von Roadkill werden.

Neben der Beantwortung dieser wissenschaftlichen Fragestellungen ist es uns möglich „Hotspots“, also Orte an denen es besonders häufig zu Roadkill kommt, zu identifizieren. In Zukunft versuchen wir in Zusammenarbeit mit Behörden, NGOs und Gemeinden diese Hotspots zu entschärfen.

Darüber hinaus sehen wir die Möglichkeit, dass Autofahrerinnen und Autofahrer, mittels moderner Kommunikationsmittel, punktgenau sowie abhängig von Jahres- und Tageszeit vor Roadkills gewarnt werden. Ähnlich wie Navigationsgeräte und Smartphones vor Radarfallen warnen, könnte auch vor neuralgischen Straßenabschnitten auf denen besonders viele Roadkills auftreten, gewarnt werden.

Übergeordnet soll das Projekt Roadkill zur Sensibilisierung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer beitragen.

In diesem Projekt wird es Ihnen  ermöglicht an einem wissenschaftlichen Projekt zum Thema “Roadkill” aktiv mitzuarbeiten. Es wird erhoben, welche Tiere auf Straßen zu Tode kommen und welche Gründe es dafür geben könnte. Mit Ihren Daten werden Hotspots identifiziert und es wird versucht diese Hotspots zu entschärfen.

Was bedeutet Roadkill?

Als Roadkill werden alle im Straßenverkehr zu Tode gekommenen Tiere bezeichnet. Der deutsche Begriff Wildunfall greift als Übersetzung zu kurz, denn er bezieht sich in der Regel nur auf größere Säugetiere und gelegentlich Vögel. Dies schlägt sich auch in offiziellen Statistiken wieder – Daten zu getöteten Tieren im Straßenverkehr werden nur zu sogenanntem „jagdbarem Wild“ erhoben. Daten zu allen anderen Tierarten – auch zu gefährdeten Tierarten, wie zum Beispiel Amphibien – fehlen.

Welche Relevanz hat Roadkill?

Rehe-1024x717Illustration: Horst Hellmeier

Straßen zerschneiden die Lebensräume vieler Tierarten – die Ökologie bezeichnet dieses Phänomen als Habitatfragmentierung. Auf menschliche Wohnräume umgelegt würde dies bedeuten, dass z.B. die Verbindung zwischen Küche und Wohnzimmer durch eine Straße durchquert wird. Tiere überqueren Straßen, wenn sie z.B. auf Nahrungssuche sind, sich Paarungspartner suchen (Rehe die im Herbst auf der Suche nach Paarungspartnern große Strecken zurücklegen) oder wenn sie zwischen Winterquartier und Sommerquartier wechseln (wie zum Beispiel Kröten bei ihrer Wanderung im Frühjahr). Tierarten, die diese Migrationen durchführen sind daher von Roadkill besonders häufig betroffen.
Auch für den Menschen hat Roadkill Relevanz – Tiere auf der Fahrbahn stellen für Autofahrerinnen und Autofahrer eine große Gefahr und auch eine große ethische Belastung dar. Nicht nur Zusammenstöße mit großen Wildtieren wie Hirsch, Wildschwein und Co verursachen jährlich Personen- und Sachschäden – auch kleine Tiere wie Igel und Kröte können Schäden verursachen, da immer wieder Unfälle durch Ausweich- und Bremsmanöver passieren.

Die Vereinten Nationen haben im Oktober 2015 die Agenda2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet und darin 17 Ziele mit 169 Zielvorgaben aufgelistet. Mit dieser Agenda soll nichts weniger als die Welt transformiert werden und dies in einer wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimension.

Diese Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (UN Sustainable Development Goals; SDGs) sollen den Anstoß für Maßnahmen in den Bereichen geben, welche für die Menschheit und den gesamten Planeten von entscheidender Bedeutung sind und reichen von der Beendigung von Hunger und Armut über Maßnahmen gegen den Klimawandel, der Förderung friedlicher, gerechter und inklusiver Gesellschaften bis hin zur Gewährleistung von wirtschaftlichem, technischem und sozialem Fortschritt in Harmonie mit der Natur.

Wir sehen Citizen Science und das Projekt Roadkill besonders geeignet um hier einen Beitrag zur Erreichung spezifischer Ziele zu leisten.

Beitrag des Projekts zu den SDGs

Wir können uns gut vorstellen mit dem Projekt Roadkill zu folgenden Zielen beitragen zu können:

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SDG 15.5: Unter anderem Stopp des Biodiversitätsverlusts.

Ein äußerst komplexes Ziel, wo wir vor allem unsere wissenschaftliche Arbeit als maßgeblich ansehen, in dem wir die gesammelten Daten und zusätzliche Projekte nutzen um den Einfluss von Straßen und Straßenverkehr auf Wirbeltierpopulationen mit Schwerpunkt auf gefährdete Tierarten feststellen möchten. Nur mit diesem Wissen können wir konkrete und sinnvolle Maßnahmen setzen um einen möglichen negativen Einfluss reduzieren zu können.

Durch die Erhebung von Daten über überfahrene Wirbeltierarten im Allgemeinen und die in der Roten Liste der IUCN (https://www.iucnredlist.org/) aufgeführten Arten im Besonderen und durch die Übermittlung dieser Daten an Behörden und NGOs kann das Projekt Roadkill zum Indikator der SDG 15.5 "Sofort und signifikant Maßnahmen ergreifen, um die Zerstörung natürlicher Lebensräume zu verringern, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen und bis 2020 das Aussterben geschützter Arten zu schützen und zu verhindern" und zum Indikator zu SDG 15.9 "Bis 2020 Ökosystem- und Biodiversitätswerte in nationale und lokale Planungsprozesse, Strategien und Konten integrieren" beitragen, indem es Daten bereitstellt.

Wir sind uns natürlich bewusst, dass wir durch unser Projekt jeweils nur einen kleinen Beitrag zur Erreichung beitragen können, aber wir möchten versuchen unser Möglichstes zu tun um unseren Planeten ein Stück nachhaltiger zu gestalten. Durch die Zusammenarbeit der Bevölkerung mit Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft auf Augenhöhe ist es in unseren Augen möglich die äußerst komplexen globalen Ziele der Vereinten Nationen Schritt für Schritt von lokal zu global erreichen zu können.

Wir verstehen unser Projekt-Team als alle, die zum Projekt beitragen. Hier stehen natürlich unsere Citizen Scientists ganz im Vordergrund, denn ohne ihre Datenmeldungen, den Diskussionen zu den eingetragenen Tierarten und den Verbesserungsvorschlägen für die Apps, Website und der Methode ans sich, wäre das Projekt nicht möglich.
Hinzu kommen Personen im Projekt, die maßgeblich zum Gelingen beitragen, sei es durch das Programmieren und Designen der Website und Apps oder durch wissenschaftliche Arbeit. Wir freuen uns, ein so großartiges Team zu haben und auch darüber, dass es durch unsere Citizen Scientists ständig wächst und vielfältiger wird.

 

Florian Heigl

Florian Heigl
Projektleiter.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Post-doc) am Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur Wien.
Studium: Bakkalaureat der Agrarwissenschaften, Master der Agrarbiologie und Doktorat der Bodenkultur.
Rolle: Florian koordiniert das Projekt, schreibt wissenschaftliche Artikel, sowie alle Texte auf der Projekt Website und auf den dazugehörigen Twitter und Instagram Kanälen.
Doerler Daniel Dörler
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Doktorand) am Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur Wien. Forscht seit mehreren Jahren zum Thema Citizen Science im Allgemeinen und arbeitet derzeit an seiner Dissertation über Invasive Nacktschnecken.
Studium: Magister in Biologie mit Spezialisierung auf Zoologie.
Rolle: Daniel hilft in allen Belangen des Projekts, von der Datenanalyse bis zum Bericht schreiben.
about ninc team philipp ka hummer

Philipp Hummer
Designer & Geschäftsführer SPOTTERON Gmbh
Rolle: Philipp entwickelt und betreut seit 2015 die Smartphone Apps und die interaktive Karte des Projekts Roadkill im Rahmen der Citizen Science Plattform SPOTTERON und unterstützt das Projekt mit Grafikdesign, App Konzeption und Medienproduktion.

johann zaller Johann Zaller
Ökologe am Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur Wien. Seine Arbeitsgebiete umfassen Agrarökologie, Tier-Pflanzen-Interaktionen, ökologische Auswirkungen des globalen Wandels.
Rolle: wissenschaftlicher Berater

 

 

App Downloads

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Hier gibt es zusätzlich eine Anleitung für die Roadkill App als PDF Download, in der du eine Übersicht über die wichtigsten Features findest:

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