Straßen prägen unser tägliches Leben – in Österreich ebenso wie weltweit. Sie verbinden Orte, ermöglichen Mobilität und sichern den Transport von Gütern, medizinischer Hilfe und sozialen Kontakten. Gleichzeitig nehmen sie einen erheblichen Teil unserer Landschaft ein – und sind damit auch ein Teil des Lebensraumes zahlreicher Tierarten.
Doch während Straßen für uns Menschen Wege und Verbindungen darstellen, bedeuten sie für viele Tiere etwas ganz anderes: Für manche sind sie Wanderkorridore, für andere unüberwindbare Barrieren. Besonders Wirbeltiere stoßen an ihre Grenzen, wenn Straßen durch starken Verkehr, Leitplanken oder Zäune unpassierbar werden. Manche Tiere meiden Straßen ganz – andere überqueren sie ohne Rücksicht auf den Verkehr. Die Folge: Jedes Jahr sterben tausende Tiere auf Österreichs Straßen.
Offizielle Zahlen gibt es nur zu jagdbarem Wild wie Rehen, Wildschweinen oder Dachsen. Doch was ist mit all den anderen? Mit Igeln, Kröten, Eichhörnchen, Schlangen oder Vögeln? Zu diesen Arten fehlt es bislang an Daten – obwohl sie genauso oft, vielleicht sogar häufiger, Opfer des Straßenverkehrs werden.
Hier setzt das Projekt Roadkill an – ein Citizen Science Projekt der BOKU University. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir herausfinden, wo und welche Tiere auf Österreichs Straßen getötet werden – und warum. Denn nur wer Zusammenhänge versteht, kann auch Lösungen entwickeln.
Citizen Science bedeutet, dass Wissenschaft nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet, sondern in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft. Im Projekt Roadkill laden wir Sie ein, selbst zur Forschung beizutragen. Jede Beobachtung zählt – ob bei einem Spaziergang, auf dem Radausflug oder der täglichen Autofahrt. Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen sind wertvoll und helfen, unser Verständnis von Tierbewegungen und Verkehrsrisiken zu verbessern.
Die Teilnahme ist freiwillig und flexibel gestaltbar – ganz nach Ihren Möglichkeiten. Mehr dazu finden Sie im Bereich Mitforschen.
Der englische Begriff Roadkill bezeichnet alle Tiere, die im Straßenverkehr ums Leben kommen. Anders als der deutsche Begriff Wildunfall, der meist nur auf größere Säugetiere angewendet wird, schließt Roadkill auch kleinere Tiere und gefährdete Arten ein – also all jene, die in den offiziellen Statistiken kaum auftauchen, aber einen bedeutenden Teil des Problems darstellen.
Wenn Straßen Lebensräume zerschneiden, bedeutet das für Tiere, dass z. B. der Weg zur Nahrung oder zur Paarung tödlich enden kann. Gerade wandernde Arten wie Kröten im Frühling sind häufig betroffen.
Doch auch für uns Menschen ist das Thema nicht zu unterschätzen: Tiere auf der Fahrbahn stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Ausweichmanöver oder plötzliche Bremsungen können Unfälle verursachen – mit teils schweren Folgen. Gleichzeitig erleben viele Menschen das Überfahren eines Tieres als belastend oder traumatisch.