Teilprojekte

Hier finden Sie alle Teilprojekte die im Rahmen des Projekts Roadkill durchgeführt werden.

In dieser Masterarbeit untersuchen wir einen möglichen Zusammenhang zwischen Pflanzenphänologie und dem Start der Amphibienwanderung im Frühling. Das Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob es eine Verbindung einzelner phänologischer Phasen von ausgewählten Pflanzenarten im Frühling (z.B. erste Blüte, Blattentfaltung) und dem Auftreten von Amphibienwanderungen gibt.

Dazu wurde eine Zusammenarbeit von vier österreichischen Citizen Science Projekten von vier Institutionen gestartet. Daten zur Amphibienwanderungen werden von Naturbeobachtung.at (Naturschutzbund Österreich), herpetofauna.at (Herpetologische Gesellschaft und Naturhistorisches Museum Wien) und Projekt Roadkill zur Verfügung gestellt, Daten zur Phänologie durch den Naturkalender (ZAMG). Diese Daten werden miteinander verschnitten um mögliche Zusammenhänge zu erkennen.

Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit sind nicht nur für die Wissenschaft interessant, da ein eventueller Zusammenhang eine Steigerung der Planungssicherheit für Naturschutzorganisationen ermöglichen würde, welche temporäre Amphibienschutzzäune entlang von Straßen errichten und betreuen. Die Idee für die Praxis wäre, dass man als Amphibienzaunkoordinationsstelle eine bestimmte phänologische Phase einer Pflanze im Frühling beobachtet und damit weiß, dass man noch z.B. zwei Wochen Zeit hat um Amphibienzäune zu installieren, bevor die Amphibienwanderung beginnt. Von Bedeutung wäre dies, da Amphibienwanderungen abhängig von klimatischen Bedingungen starten und daher nicht jedes Jahr zum selben Zeitpunkt beginnen.

In diesem Pilotprojekt haben wir gemeinsam mit Susanne Lutter, als begeisterter Citizen Scientist im Projekt Roadkill, ein Studiendesign erarbeitet, welches uns aufzeigen soll, ob eine Presence/Absence Datenerhebung von überfahrenen Tieren mit Citizen Science machbar ist. Presence/Absence Daten werden erhoben, indem eine gewisse Strecke in regelmäßgen Abständen begangen wird und dabei berichtet wird, ob ein überfahrenes Tier gesichtet wurde oder nicht. Der Unterschied zum derzeitigen Projektdesign im Projekt Roadkill ist, dass so auch Daten erhoben werden, die zeigen, an welchen Stellen einer Strecke kein Tier überfahren wurde. Derzeit erheben wir im Projekt Roadkill also nur Presence Daten, da man nur meldet, wenn ein Tier gesehen wurde.

Um nun eine solche Presence/Absence Datenerhebung durch Citizen Science zu testen, haben wir gemeinsam mit Susanne Lutter eine für sie und das Projektteam passende Strecke (3,3km) im Bereich Wienerberg in Wien (Österreich) ausgewählt, welche sie ab Frühling 2020 in regelmäßigen Abständen (3x pro Woche) begehen wird und dabei mittels Roadkill App meldet, wo sie Tiere gefunden hat. Zusätzlich notiert sie, wann sie die Strecke abgegangen ist und kein Tier gesehen hat.

Wir erhoffen uns durch die Arbeit von Susanne Lutter neue Erkenntnisse zu Roadkills im urbanen Raum und freuen uns schon auf die enge Zusammenarbeit in dieser Pilotstudie.

Zusätzlich werden uns die Erkenntnisse, welche wir durch diese Pilotstudie erhalten, ermöglichen zu entscheiden, ob ein größeres Projekt mit einem solchen Design beantragt werden sollte.

Wenn auch Sie Interesse hätten an der Pilotstudie mit einer Strecke in Ihrer Nähe teilzunehmen, schreiben Sie uns bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Je mehr Strecken begangen werden, desto aufschlussreicher werden auch die Ergebnisse.

Das Team des Projekt Roadkill arbeitet seit September 2018 gemeinsam mit der TU Graz, BirdLife Österreich, dem Naturhistorischen Museum Wien und der Firma pentamap mapping services an einem Projekt mit der Kurzbezeichnung "AnimalProtect", welches durch die FFG im Rahmen des Austrian Space Application Programms gefördert wurde.

Zusammenfassung des Projektvorhabens:

Verkehrsunfälle mit Wildtieren stellen sowohl durch das steigende Verkehrsaufkommen als auch durch veränderte Lebensräume für die Tiere in Europa ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Allein im Oktober und November 2017 kam es zu mehreren teils folgenschweren Unfällen mit Wildtieren in Österreich, die auch Menschenleben forderten. Allein bei jagdbarem Wild wurden in Österreich in der Saison 2015/16 mehr als 77.000 überfahrene Tiere gezählt. Dabei wurden 304 Personen verletzt, 1 davon verstarb an den Folgen des Unfalls. In den USA kommt es jährlich zu bis zu 1.6 Millionen Unfällen mit jagdbarem Wild mit bis zu 200 Toten und mehreren Tausend Verletzten. Der dadurch entstandene Gesamtschaden wird mit 4,6 Milliarden US$ beziffert. AnimalProtect hat aber nicht nur folgenschwere Unfälle für Menschen zum Ziel, sondern behandelt auch die ökologischen Auswirkungen, die durch das Überfahren von Vögeln oder Amphibien entsteht.

Bisher gibt es europaweit nur wenige systematische Untersuchungen zu den Ursachen von Wildunfällen bzw. möglichen Einflussfaktoren, die zu einem vermehrten Auftreten von Unfällen mit überfahrenen Tieren führen. Diese Lücke soll im Projekt AnimalProtect geschlossen werden. Ziel ist die flächendeckende Ableitung von Gefährdungszonen in der Umgebung von Straßen, um Wildunfälle und damit einhergehende Schäden für Menschen und Tiere mit der Hilfe von Fernerkundungsdaten, Geodaten, Expertenwissen und Ergebnissen aus vorherigen Untersuchungen zu vermeiden. Dafür müssen mögliche Einflussfaktoren (Landbedeckung, Gelände, jahreszeitliche Einflüsse, Umweltfaktoren, sozial-ökologische Faktoren, etc.) auf das Verhalten von verschiedenen Wildtierarten definiert werden, um diese anschließend auf potentielle Datenbestände (Copernicus Programm, Open Street Map etc.) zu übertragen. Aus dieser wissensbasierten Vorgangsweise sollen schließlich Gefährdungsbereiche für Autofahrerinnen und Autorfahrer bzw. verschiedene Tierarten abgeleitet werden. Die Validierung der detektierten Wirkungsbereiche soll mit vorliegenden Unfalldaten erfolgen. Dafür müssen Schnittstellen zu bestehenden Datenbeständen von Wildunfällen geschaffen und die Daten homogenisiert werden.

Die aus der Fernerkundung und Geoinformation abgeleiteten Gefährdungszonen sollen in Form eines cloud-basierten Services angeboten werden, welches das Unfallrisiko in einem bestimmten Straßenabschnitt, z.B. von 1 (= wenig Unfallgefahr) bis 5 (= große Unfallgefahr), liefert. Verschiedene Anwenderinnen und Anwender (Autofahrerinnen und Autofahrer, Versicherungen, Navigationsdienste, öffentliche Stellen etc.) sollen daraus entsprechende Schlüsse ziehen können (z.B. bereits bei der Planung einer Straße). Die Anwendung des Services soll im Rahmen des Projekts auch in einem Prototypen gezeigt werden, der je nach Position der Nutzerin bzw. des Nutzers die entsprechende Gefährdung anzeigt, sowie die Routenführung durch Gebiete mit möglichst niedriger Unfallgefahr ermöglicht.